Vollautomatische Betrugsprävention

Interview mit Friedrich Jüngling

Best Practice gegen Doppelfinanzierung: Die Datenbank PS DataCollect Cars ist in der Leasingwelt und überhaupt im Bereich gewerbliche Mobilität ein Begriff. Gemeinsam mit führenden Leasinggesellschaften überträgt PS‑Team das Erfolgsmodell nun auf die Bau- und Agrarwirtschaft: Im Asset-Monitoring-Tool PS DataCollect Machines werden alle finanzierten Maschinen zentral erfasst.

Wir sprechen mit PS‑Team-Geschäftsführer Peter Schmehl und Friedrich Jüngling, Vorstandsmitglied der Deutschen Leasing AG sowie Vorsitzender des Produktbeirats für PS DataCollect Machines.

BLICK: Herr Jüngling, bitte erläutern Sie uns, warum wurde das Projekt PS DataCollect Machines ins Leben gerufen?

Friedrich Jüngling: Die zentralen Gründe für den Start dieses Projekts heißen Mehrfachfinanzierung und Unterschlagung von Maschinen. Eigentlich stehen diese Themen schon seit zehn Jahren auf der Agenda von uns Leasinggesellschaften.

Durch die Schuldenkrise im Jahr 2008/2009 stieg jedoch der Druck zu reagieren, da es vermehrt größere Betrugsfälle gab. Das hat einige von uns Finanzdienstleistern stark getroffen. Und es hatte auch für seriöse Leasingnehmer negative Auswirkungen, da zeitweise ganze Branchen in Verruf geraten sind. Deshalb haben das PS‑Team und die Deutsche Leasing gemeinsam mit einer kleinen Gruppe weiterer Leasinggesellschaften beschlossen: Wir packen dieses Thema jetzt an!

BLICK: Herr Schmehl, können Sie bitte die Aufgaben von PS DataCollect Machines kurz beschreiben?

Peter Schmehl: PS DataCollect Machines ist eine Datenbank, in der sowohl Hersteller und Händler von Maschinen als auch Leasinggesellschaften und Banken alle technischen Daten, die ihnen über finanzierte Investitionsobjekte vorliegen, speichern können. So werden Betrugsfälle schnell und einfach erkannt.

Zuvor hatten wir diese Art der Asset-Registrierung bereits bei Fahrzeugen geprüft – mit Erfolg! Zahlreiche Doppelfinanzierungen wurden damit bereits aufgedeckt. Viele unserer Kunden haben dann eine vergleichbare Lösung für Maschinen nachgefragt. Das bestätigte uns, dass wir mit PS DataCollect als strategischem Projekt im Bereich Risikomanagement bei den Leasinggesellschaften einen Nerv getroffen haben. So ist PS DataCollect Machines entstanden.

BLICK: Wie viele Unternehmen sind inzwischen im Rahmen von PS DataCollect Machines aktiv?

Friedrich Jüngling: Aktuell beteiligen sich 16 Unternehmen an der Datenbank. Im vergangenen Jahr konnten so rund 205.000 Objekte pro Monat geprüft werden. 2015 werden es voraussichtlich mehr als 250.000 Objekte monatlich sein.

Peter Schmehl: Da der Erfolg von PS DataCollect Machines mit der Anzahl der Nutzer steht und fällt, werbe ich nachdrücklich für dieses Tool. Wir wollen möglichst viele Objektdaten dort versammeln. Deshalb haben wir darauf geachtet, dass die Anwendung der Software für jeden verständlich ist. Die Informationen können mit geringem Aufwand hinterlegt werden.

BLICK: Neben der Identifizierung von Doppelfinanzierungen: Welche weiteren Vorteile hat das Tool?

Friedrich Jüngling: Je mehr sogenannte „scharfe Rückmeldungen“ – also Hinweise über Doppelfinanzierungen – wir über PS DataCollect Machines bekommen und je mehr schwarze Schafe wir so herausfiltern, desto geringer sind die Risikokosten für alle Beteiligten. Bei erstmalig entdeckter Doppelfinanzierung können wir als Finanzdienstleister sogar noch schadenminimierend eingreifen. Dann wird das betroffene Unternehmen darauf angesprochen und beispielsweise gebeten, seine Prozesse zu optimieren.

Peter Schmehl: Durch die systematische Speicherung der objektbezogenen Daten können in der Realwirtschaft verhaftete Finanzdienstleister – so wie Leasinggesellschaften – zudem die Bonität ihrer Kunden besser einschätzen. Das bedeutet für den Kunden: sinkende Kosten für Finanzierungen.

BLICK: Welche Schritte haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?

Friedrich Jüngling: Das erste und wichtigste Ziel ist und bleibt, die Qualität der Daten immer weiter zu verbessern. Das zweite große Ziel ist, die Nummernlogik in der Maschinenbranche zu vereinheitlichen – entsprechend der Fahrgestellnummer in der Automobilwirtschaft. Das braucht allerdings seine Zeit. Für PS DataCollect Machines haben wir deshalb einen Identifikationsschlüssel für alle Nutzer entwickelt. Wenn wir diesen für alle Maschinen durchsetzen könnten, wäre das ein großer Schritt nach vorne. Und das dritte Ziel hängt mit der Internationalisierung zusammen: Wir wollen PS DataCollect ausbauen und europaweit für Datenvergleiche nutzen. Denn gerade in der Agrarwirtschaft – und insbesondere in Osteuropa – gibt es für PS DataCollect Machines noch eine Menge zu tun.

Peter Schmehl: Technisch ist PS DataCollect ausgereift. Bei den nächsten Schritten wird es sich um die Weiterentwicklung der Detailabfragen handeln. Dabei greifen wir auf das Praxis-Know-how der erfahrensten Player aus der Finanzwelt zurück. Wir sind deshalb davon überzeugt, dass das Thema Doppelfinanzierung schon bald kein Thema mehr sein wird!

BLICK: Herr Jüngling, Herr Schmehl, vielen Dank für das Gespräch.

Peter Schmehl:

„Zahlreiche Doppelfinanzierungen wurden mit PS Data-Collect bereits aufgedeckt.“

Friedrich Jüngling:

„Je mehr schwarze Schafe wir herausfiltern, desto geringer sind die Risikokosten für alle Beteiligten.“

„Wir wollen PS DataCollect ausbauen und weltweit für Datenvergleiche nutzen.“