Raus auf die Straße!

Die autonomen Fahrzeuge kommen

Vorgefahren sind die „Self-Driving Cars“ von Google. Nun ziehen Automobilhersteller und Technologieanbieter mit autonomen Fahrzeugen nach. Doch bis zur Serienreife ist es noch ein langer Weg.

Im Frühjahr traf sich Ford-Chef Bernhard Mattes im Rheingau mit Vertretern des Verbands markenunabhängiger Fuhrparkmanagementgesellschaften (VMF) zum Erfahrungsaustausch. Das Magazin Autoflotte zitiert ihn mit folgenden Worten: „Wir werden natürlich das Thema Konnektivität weitertreiben und damit auch über die Fahrassistenzsysteme zum teilautonomen Fahren eine ganze Menge mehr machen.“ Autonomes und teilautonomes Fahren sind für ihn „fuhrparkrelevante, wichtige Themen“. Die Idee der „Self-Driving Cars“ ist in der gewerblichen Mobilität angekommen.

Der Apple-Manager Jeff Williams provozierte zuletzt mit der These, das Auto sei „das ultimative Mobilgerät“. Mit zunehmender Elektronikdurchdringung der Fahrzeuge wachsen die IT- und die Automobilbranche zusammen. Längst geht es nicht mehr darum, das Smartphone ins Auto zu integrieren. Vielmehr wandelt sich das Fahrzeug selbst zu einem sehr komplexen, online gesteuerten und damit intelligenten Gerät. Gespannt wartet der Automobilsektor nun darauf, ob Apple ein eigenes Auto auf den Markt bringen wird.

 

Ob Apple oder Google: Die Datensammelwut der IT-Konzerne sieht die Automobilindustrie kritisch. Wem die von den Fahrzeugen schon heute permanent produzierten oder gesammelten Big Data „gehören“, wird kontrovers diskutiert. Dies dürfte ein Grund dafür sein, dass die Technologieunternehmen selbst zu Fahrzeugherstellern werden oder zumindest eng mit ausgewählten OEMs kooperieren.

Über 1,5 Millionen Kilometer sind Googles „Self-Driving Cars“ in den vergangenen Jahren im autonomen Modus gefahren. Der Konzern gibt an, dass die in die Fahrzeuge eingebaute Elektronik dabei so manchen Unfall verhindert hat. Einmal hätten die Sensoren sogar registriert, dass dem computergesteuerten Auto gleich zwei Geisterfahrer entgegenkamen. In den Weiten des US-Bundesstaates Nevada dürfen selbstfahrende Autos im Straßenverkehr getestet werden und gehören schon fast zum Straßenbild. Derzeit sammeln auch Automobilhersteller und Zulieferer in Europa kräftig Erfahrungen „auf freier Wildbahn“.

Erste „Fahrversuche“

Zuletzt sorgte der Unfall eines „Erlkönigs“ von BMW in der Stuttgarter Innenstadt für Ernüchterung. Das Fahrzeug rammte einen Polizeibus – im Rahmen von Versuchen mit kamerabasierten Fahrerassistenzsystemen bei Dunkelheit. Von solchen Hiobsbotschaften lässt sich der Zulieferer Bosch jedoch nicht entmutigen.

Bei dem Technologiekonzern ist man fest von der Zukunft des autonomen Fahrens überzeugt. Geschäftsführer Dr. Dirk Hoheisel: „Bosch entwickelt das automatisierte Fahren für den Serieneinsatz in allen Autos.“ Allein in einem Erprobungsfahrzeug baute das Unternehmen 50 neue Komponenten für das autonome Fahren ein, wie beispielsweise Stereo- Videokameras, die Fahrspuren, Verkehrszeichen und Freiflächen erkennen können.

Zudem hat das Unternehmen 1.300 Meter Kabel neu in dem Fahrzeug verlegt. Die Vernetzung des Fahrzeugs dauerte insgesamt 1.400 Arbeitsstunden.

Schließlich müssen alle sicherheitsrelevanten Systeme wie Bremsen und Lenkung redundant ausgelegt sein. Nur so lässt sich ausschließen, dass der Ausfall einer Komponente einen Schaden für den „Fahrer“ anrichten kann. „Sicherheit steht für Bosch an erster Stelle“, so Dr. Dirk Hoheisel.

Rund 2.000 Entwickler beschäftigen sich bei Bosch mit dem autonomen Fahren. Doch sind auf dem langen Weg zur Serienreife nicht nur sämtliche technischen Probleme rund ums sich selbst steuernde Auto zu lösen. Vielmehr müssen sich der Markt und die gesamte Infrastruktur wandeln: Den potenziellen Kunden müssen die Selbstfahrer schmackhaft gemacht werden. Nur wenige Autofahrer wären heute dazu bereit, sich von Lenkrad und Bremse zu lösen. So ergab eine Umfrage im Auftrag des Onlineportals Mobile.de Anfang des Jahres, dass lediglich acht Prozent der 1.000 Befragten das autonome Fahren für ein relevantes Innovationsfeld halten.

Die Straßenverkehrsordnung wird sich ändern und laut einer aktuellen Studie der Daimler und Benz Stiftung steht sogar das Rechtsfahrgebot auf dem Prüfstand. Hinzu kommt, dass die empfindlichen Kameras für Spurhaltesysteme weder verblassende Fahrstreifen noch Schlaglöcher vertragen. Es bleibt abzuwarten, ob Bund, Länder und Kommunen mit flächendeckenden Straßensanierungen dem autonomen Fahren den Weg ebnen werden.