Gebündelte Prozesskompetenz

Wir sprachen mit PS‑Team-Geschäftsführer Heinz Moritz über Best Practice, gelungene Innovationen und darüber, ob sich Unternehmen Best Practices teilen sollten.

BLICK: Herr Moritz, Sie haben ein Vierteljahrhundert für den Autovermieter Avis gearbeitet, zuletzt als Director Operations. Anschließend waren Sie einige Jahre als selbstständiger Unternehmensberater erfolgreich. Welche Best Practices aus Ihrer Zeit in der Vermietbranche konnten Sie mitnehmen und an Unternehmen aus völlig unterschiedlichen Bereichen weitergeben?

Heinz Moritz: Bei Avis war ich für insgesamt 350 Standorte verantwortlich. Diese Zeit bei einem sehr kostenbewussten internationalen Vermieter war eine hervorragende Schule für meine Beratertätigkeit. Ich habe einen ausgeprägten Blick für ein effizientes Kostenmanagement. Dazu zählen auch der Aufbau von sogenannten Profit Centers und eine Steuerung über Kennzahlen (KPIs). Diese wirkungsvollen Instrumente erhöhen die Kosteneffizienz im Dienstleistungssektor und in der Industrie deutlich.

Bei Avis habe ich begonnen, mit Produktivitätsmessungen zu arbeiten. Im Zuge dessen hat Avis mit dem Outsourcing angefangen. Heute nimmt kaum ein Vermieter mehr seine Fahrzeuge selbst am Flughafen entgegen. Was mittlerweile ein Branchenstandard ist, war damals ein Pilotprojekt. Heute ist Outsourcing im Flottenmanagement gang und gäbe.

Viele weitere Themen ließen sich auf andere Bereiche übertragen. Nehmen Sie etwa die Standortanalyse und Netzwerkerweiterung oder das Personalmanagement inklusive Nachwuchsförderung. Hinzu kommen Handlungsfelder speziell aus der Mobilitätsbranche: digitale Gutachtensysteme, Standzeitenkontrolle von Vermietfahrzeugen sowie die Logistikprozesse rund um die Ein- und Aussteuerung von Flottenwagen.

BLICK: Bei PS‑Team führen Sie Ihre beruflichen Erfahrungen zusammen: die langjährige Praxis aus dem Mobilitätssektor und die Strategie- und Prozesskompetenz, die die Grundlage Ihrer selbstständigen Tätigkeit bildete. Die Innovationsrate von PS‑Team liegt bei etwa zehn Prozent. Das heißt, zehn Prozent des Umsatzes werden mit Produkten generiert, die höchstens drei Jahre alt sind. Welche Qualitätskriterien legen Sie an neue Produkte an? Wann ist eine Innovation gelungen?

Heinz Moritz: Wenn der Markt sie annimmt und umsetzt. Dabei messen wir jedes Produkt an höchsten Qualitätskriterien. Nur so haben wir eine Chance, dass sie sich durchsetzen. Letztlich geht es immer darum, idealerweise Branchenstandards zu setzen. Das ist uns jüngst mit PS DataCollect gelungen. Immer wieder haben uns Vertreter von Banken und Leasinggesellschaften in den vergangenen zehn Jahren auf das ungelöste Problem der Mehrfachfinanzierung angesprochen. Da wir uns Zeit gelassen haben bei der Entwicklung unseres Asset-Registers für Fahrzeuge und Maschinen, konnten wir eine ausgereifte Lösung am Markt platzieren. PS‑Team bietet nur Produkten an, von denen wir hundertprozentig überzeugt sind. Das zahlt sich aus.

BLICK: Was heute Best Practice ist, kann morgen veraltet sein und der aktuellen Situation nicht mehr gerecht werden. Wie wird sich die Auslieferung und Rückholung von Flottenfahrzeugen in nächster Zeit verändern?

Heinz Moritz: Das kommt auf die Branche an. Bei Autovermietern werden die Fahrzeuge in großen Mengen über Sammelplätze eingesteuert. Da im Individualverkehr eine Bündelung von Verkehrsströmen zu beobachten ist, wächst die Bedeutung der Autovermieter in den Mobilitätskonzepten immer weiter. Das wird auch die Nachfrage nach unserer Software für Transportaufträge, PS Spe[e]dLog, steigern, zumal sie Multi-Supplier-fähig ist, Autovermietern also erlaubt, mit mehreren Dienstleistern zusammenzuarbeiten.

In der Leasingbranche tut sich derzeit viel bei der elektronischen Protokollierung der Fahrzeugübergabe. Außerdem entwickeln wir – getrieben durch unsere Kunden – Lösungen zur Verschlankung der Begutachtung. Es zeichnet sich ab, dass in nicht allzu ferner Zukunft Ferngutachten in die Rücknahme integriert werden: Der Gutachter steuert beispielsweise den Azubi in der Werkstatt online um das Fahrzeug herum. Der Mann oder die Frau am Fahrzeug zoomt mit einem Smartphone oder Tablet bestimmte kritische oder auffällige Details, sodass sich der Gutachter ein genaues Bild machen kann. Mit Ferngutachten können Leasinggesellschaften ihre Kosten deutlich senken.

BLICK: Welche Möglichkeiten birgt das E-Government für das Flottenmanagement?

Heinz Moritz: Stand heute nützt es im Mobilitätsbereich nur Privatpersonen. Wir tauschen uns allerdings mit verschiedenen Zulassungs- und den entsprechenden Regierungsstellen intensiv aus und wirken auf einen Prozess hin, der dem Flottenmanagement Vorteile bringt. Wir werden unseren Kunden ausgereifte Lösungen präsentieren, sobald der Prozess behördlicherseits steht.

BLICK: Best Practices sind nicht unbedingt dazu gedacht, dass Unternehmen sich diese „teilen“: Wenn PS‑Team ganze Märkte mit hervorragenden Prozessen bedient, wo bleibt dann der Wettbewerbsvorteil für den einzelnen Kunden?

Heinz Moritz: Wir sind Spezialisten für Randprozesse. Sie gleichen sich bei allen Marktteilnehmern und sind nicht wettbewerbsrelevant. Indem wir diese „lästigen“ Aufgaben übernehmen und perfekte Prozesse daraus machen, entlasten wir unsere Kunden und helfen ihnen, ihre Kosten zu senken und die Qualität und Sicherheit der Abläufe kontinuierlich sehr hoch zu halten. Unsere Kunden können ihre Ressourcen so voll in ihr Kerngeschäft einbringen – und sich von anderen Marktteilnehmern abheben.